11.07.2019 12:42 Alter: 45 days

Corinna Dawid und Youssef Belkhadir erhalten den Wissenschaftspreis der Stadt Freising - Chemische Komponenten entschlüsselt

Für ihre bahnbrechende Forschung zu Abwehrreaktionen bei Pflanzen, die dem menschlichen Immunsystem entsprechen, haben Corinna Dawid und Youssef Belkhadir den Wissenschaftspreis der Stadt Freising erhalten.

Ehrung: (v. l.) Hochschulpräsident Eric Veulliet, Rudi Schwaiger, Weihenstephan-Referent der Stadt, die Preisträger Corinna Dawid und Youssef Belkhadir, der designierte TUM-Präsident Thomas Hofmann und OB Tobias Eschenbacher. (Foto: Marco Einfeldt)

Für ihre bahnbrechende Forschung zu Abwehrreaktionen bei Pflanzen, die dem menschlichen Immunsystem entsprechen, haben Corinna Dawid und Youssef Belkhadir den Wissenschaftspreis der Stadt Freising erhalten. Er ist mit 20 000 Euro dotiert. Ihre Erkenntnisse im Gebiet Phytometabolomik würden zu einem "Paradigmenwechsel in der Wissenschaft" führen, sagte Thomas Hofmann, designierter Präsident der TU München, am Montag bei einem Festakt im Rathaus.

Den beiden jungen Wissenschaftlern ist es mit ihren Teams gelungen, neue chemische Komponenten zu entschlüsseln, über die Pflanzen Bakterien an ihrer Zelloberfläche wahrnehmen. Dies geschieht nicht, wie bisher angenommen, durch ein Molekül, sondern eine Fettsäure. Die Veröffentlichung der Ergebnisse habe weltweit für Aufsehen gesorgt, betonte Hofmann in seiner Laudatio. Für die Züchtung resistenter Pflanzen in der Landwirtschaft könne dies große Fortschritte bringen.

Corinna Dawid bezeichnete - auch stellvertretend für Youssef Belkhadir, der kein Deutsch spricht - die Auszeichnung als große Ehre. Es sei schön zu sehen, dass die Stadt Anteil an der Arbeit in Weihenstephan nehme. Sie lebt seit zwölf Jahren in Freising und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am TUM-Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und Molekulare Sensorik, Belkhadir forscht in Wien.

Die Stadt hat den Preis zum sechsten Mal vergeben. Er sei ein "Zeichen der Verbundenheit" mit der Forschung in Weihenstephan, sagte OB Tobias Eschenbacher. 2015 waren mit Stefanie Ranf und Nicolas Gisch zwei Wissenschaftler geehrt worden, die die Basis für die Arbeit der aktuellen Preisträger legten. Sie hätten das Schloss entdeckt, so Eschenbacher, jetzt habe man den Schlüssel dazu gefunden.

Solche Preise setzten oft die Initialzündung für weitere Ehrungen, sagte Hofmann. Der künftige TUM-Präsident, der im Herbst die Nachfolge von Wolfgang Herrmann antreten wird, kündigte bereits Umstrukturierungen an.
"Die Themen, die in Weihenstephan auf der Agenda stehen, sind so groß, dass sie niemand mehr allein erforschen kann." Es gehe um nichts Geringeres als die Welternährung. Deshalb müssten Wissenschaftler in Systemverbunden forschen. Auch über die Lehre müsse man nachdenken und stärker in themenbezogenen Projekten arbeiten. Wichtig sei "lebenslanges Lernen", die Absolventen müssten immer wieder zurückkommen. "Wenn wir das nicht tun, machen es die Googles und Amazons", so Hofmann. Auch die Forderung nach einem Kongresszentrum für Freising bekräftigte er.

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat sich ebenfalls das Ziel gesteckt, Beiträge zur Bekämpfung der Probleme durch Hunger und Klimawandel zu liefern. Präsident Eric Veulliet nannte in seinem Grußwort als Beispiel den Ausbildungspakt mit Afrika. Wichtig sei es dabei, den Studierenden ihre Begeisterung für die Forschung zu erhalten. Dies sei der Schlüssel zum Erfolg.

Von Petra Schnirch, Freising

©SZ vom 10.07.2019